Einmal Babys haben?

Geschrieben von Julia Holznagel (copyright Julia Holznagel)

Vielen Dank für diesen guten Bericht, Julia (Meerschweinchen aus Geisenhausen)

Heute möchte ich mich mal dem viel diskurierten "Einmal Babys haben" zuwenden.

Ich habe größtes Verständnis für den Wunsch einmal Meerschweinchenbabys aufwachsen zu sehen. Schließlich komme ich öfter im Jahr in den Genuß und es wäre vermessen, das anderen absprechen zu wollen. Bevor Ihr jetzt die Internet-Drähte und LTE-Verbindungen zum Glühen bringt auf der Suche nach geeigneten Zuchttieren, lest bitte fertig!

Was braucht man, wenn aus zwei Meerschweinchen 3-8 werden? PLATZ !!!!! Den brauchst du nicht, weil du sie nach der Aufzucht abgeben möchtest? Bitte glaubt nicht, dass die Vermittlung von Meerschweinchenbabys leicht ist. Besonders dann nicht, wenn sie in "gute Hände" kommen sollen. Kannst du dich von den Süßen, die dich zum ersten Mal mit noch feuchtem Fell treuherzig angeblickt haben wirklich trennen? Kleine Mädchen sind leichter zu behalten und abzugeben als kleine Jungs. Was soll mit ihnen passieren? Sie sollten ausnahmslos (früh)kastriert werden. Mit etwas Glück ist es nur ein Bub, der sogar in deiner Gruppe bleiben kann nach erfolgreicher Frühkastration. Mit etwas Pech sind es 5 Jungs, die kastriert werden sollten. Hast du die ca. 300 griffbereit? Zuzüglich den eventuellen Anschaffungskosten für ein weiteres Gehege, weil so viele Jungs nun doch nicht in der Herde bleiben können? Du möchtest sie aus Kostengründen lieber unkastriert in eine Männer-WG abgeben? Kannst du es ertragen sie 6-8 Monate später bei ebay-Kleinanzeigen zu entdecken allein in einem viel zu kleinen Käfig hockend, getrennt von den anderen, weil sie sich nicht mehr vertragen? Im schlimmsten Fall mit zerfetzen Ohren?

Das ist dir alles bewußt und der Kontostand stimmt trotzdem noch, auch wenn (in seltenden Fällen, aber vorkommend) ein Notfall-Tierarztbesuch oder sogar Kaiserschnitt von Nöten ist!

Dann geht es um die Auswahl der Zuchttiere. Die angehende Mutter sollte zwischen 6-10 Monaten alt sein, nicht zu dick und nicht zu dünn und aus einer Zucht kommen. Der Züchter sollte über dein Vorhaben informiert sein, damit er ein zuchtgeeignetes Tier abgibt und kein Liebhabermädel, welches aus verschiedenen Gründen keinen Wurf haben sollte. Ach so, ausserdem sollte das Mädel verzichtbar sein. Verzichtbar??? Ja, denn leider gibt es auch Todesfälle durch Toxikose (Stoffwechselentgleisung), Entzündungen oder quer liegenden Babys, trotz Kaiserschnitt für 200. Erkennst du Geburtsprobleme, wenn welche vorliegen um rechtzeitig handeln zu können und zum Tierarzt zu düsen? Wenn jetzt noch das eigene Herz oder das der Kinder untrennbar an dem Mädel hängt, ist der Verlust doppelt hart. Nicht selten kommt es vor, dass ein oder mehre Babys tot zur Welt kommen. Das ist kein schöner Anblick und sollte wenigstens erwähnt werden.

Der angehende Papa sollte auch Abstammungspapiere haben, um nach Möglichkeit keine lethal-Faktoren einzukreuzen. Er sollte nach getaner Arbeit zeitnah kastriert werden, um dann seiner Dienst als Papa, Chef-Kastrat und männliches Vorbild pünktlich übernehmen zu können.

Aber du hast Glück und die Babys sind wohlbehalten gelandet. Aus unbestimmten Gründen säugen sie nicht recht bei der Mama. Sie nehmen ab und fangen an zu zittern. Jetzt muss per Hand zugefüttert werden. Das ist ansich eine schöne Sache, weil man sehr früh engen Kontakt zu den Kleinen hat. Bist auch noch dieser Meinung, wenn du nach 3 schlaflosen Nächten (schließlich haben Babys auch nachts alle 3 Stunden Hunger) rumläufst wie ein Gespenst auf Urlaub?

Das war jetzt viel Input, oder? "Das klingt aber hart und herzlos", wirst du jetzt denken. Immer diese Schwarzmalerei! Es kommen doch auch Würfe mit zwei kleinen Mädchen völlig komplikationslos auf die Welt. Das mag sein, aber man weiß es eben nicht und sollte auf alles vorbereitet sein. Ich spreche hier aus tiefsten Herzen und leider mit sehr traurigen Erfahrungen teils bei mir, teil bei anderen.

Bitte denke über all die Dinge gut nach und überlege, ob du sie im Notfall händeln und finanzieren kannst/willst.

Oft ist es leichter ein Jungtier (mit 6 Wochen ist es auch noch ein Baby - versprochen!) beim Züchter seines Vertrauens zu kaufen. Es hat die Geburt unbeschadet überstanden, ist gut entwickelt und sozialisiert. Die Mama war in erfahrenen (hoffentlich fürsorglichen) Händen. Du hattest keinerlei mentalen Druck und schlaflose Nächte, höchstens durch Vorfreude.

Weitere Fragen zu diesem Thema beantworte(n) ich/wir sehr gerne!

Eure Julia